Deutsche Autobauer und die Krise
Die weltweite Finanzkrise hat die Automobil-Industrie bekanntermaßen schwer getroffen. Von sinkenden Absatzzahlen über Schließungen ganzer Werke und Entlassungen mehrerer Tausend Mitarbeiter bis zur Insolvenz reichen die Konsequenzen.
Doch während man bei den Einen noch die Scherben zusammenfegt, geht es bei den Anderen längst wieder bergauf. Die Krise jedenfalls hat nicht jeden Hersteller gleich hart getroffen.
General Motors musste in die Insolvenz und lange Zeit blieb die Zukunft der Tochter Opel ungewiss. Hierfür die schlechte Wirtschaftslage allein verantwortlich zu machen, halten Experten jedoch für falsch. Mehrfach war von verfehlter Modellpolitik und schlechtem Management in den Jahren vor der Krise die Rede, Opel habe sich in eine Lage manövriert, in der die Marke auf dem Markt praktisch nicht mehr gebraucht würde.
Jetzt will man bei GM wieder gesunden. Dafür, so hat man bemerkt, ist das technische Know-How der Rüsselsheimer unbedingt nötig, denn in Zeiten stetig steigender Brennstoff-Preise werden auch in den USA sparsamere Fahrzeuge immer beliebter. Opel wird also nicht an Magna verkauft, sondern saniert. Die Angestellten zittern zu Tausenden um ihre Jobs, fürchten, doch noch die Insolvenz des Traditionsunternehmens über sich ergehen lassen zu müssen. Verhindern soll dies ein Sanierer mit Erfahrung in der Rettung maroder Autoproduzenten: Nick Reilly. Der 59-jährige gebürtige Brite rettete bereits den koreanischen Hersteller Daewoo vor der drohenden Pleite, dort vervierfachte er den Absatz und brachte die Bilanz wieder in die schwarzen Zahlen. Ein Glücksgriff für die von langem Hin und Her und vielen Fehlentscheidungen gebeutelten Opelaner – hoffentlich.
Optimismus bei den Premiumherstellern
Die Hersteller von Premium-Modellen atmen bereits seit einer Weile auf und schnuppern schon wieder am Wachstum. Bei Audi korrigierte man kürzlich die Absatz-Prognosen nach oben, statt der angepeilten 900.000 verkauften KFZ liegen die Erwartungen nun eher bei 920.000 Einheiten. Der boomende chinesische Markt machts möglich, soll bereits in den nächsten Jahren den deutschen Markt als größter Absatzort ablösen. Dann soll auch die im Jahr 2008 erstmals erreichte historische Marke von mehr als 1 Million verkauften Fahrzeugen wieder fallen.
Bei BMW schreibt man seit dem zweiten Quartal des Jahres wieder schwarze Zahlen, zwar blieben die Gewinne im dritten Quartal deutlich unter den Erwartungen der Experten, jedoch wurde die Zahl der 25.000 zu Anfang des Jahres auf Kurzarbeit geschickten Angestellten mittlerweile fast vollständig abgebaut. Schon im Juli waren es nur noch etwa halb so viele, derzeit ist die Anzahl auf wenige Hundert gesunken. Die 2010 auf den Markt kommenden neuen Modelle sollen für weitere Erholung sorgen. Die BMW-Tochter Mini legte bei den Absatzzahlen bereits jetzt um starke 11 Prozent zu.
Die Finanzlage sieht auch in Stuttgart ganz passabel aus. Die Verkaufszahlen liegen auch bei Mercedes-Benz deutlich unter dem Vorjahresniveau, aber durch Effizienzsteigerungen und Einsparungen in Höhe von mehr als 4 Milliarden Euro verfügt man über eine sehr gute Liqiditätsausstattung. “Wir haben in den vergangenen Monaten die Krise zunehmend gemeistert. Daimler konnte sich seine finanzielle Flexibilität erhalten, die Maßnahmen zu Effizienzverbesserungen intensivieren und gleichzeitig die Entwicklung neuer Produkte und Märkte vorantreiben. Wir sind jetzt sehr gut aufgestellt und können mit Zuversicht ins nächste Jahr gehen, das aufgrund weltweit weiterhin schwieriger Automobilmärkte herausfordernd bleiben wird“ so der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG und Leiter von Mercedes-Benz Cars, Dr. Dieter Zetsche.